Glasmalerei für ein Wohnhaus in Frankfurt/Main
Aufgabenstellung
In der Planung umfassender Renovierungsmaßnahmen eines Mehrfamilienhauses aus der Gründerzeit ist die Erneuerung aller Fenster enthalten. Das in vielfacher Hinsicht hochwertige Planungsvorhaben bewahrt die ursprüngliche Architektursprache, modernisiert die Haustechnik und verbessert die Klimabilanz des Altbaus.
Der Hausbesitzer, ein Kunstsammler, wohnt selbst im Haus. Er beauftragt mich mit der Konzeption und Ausführung der Glasmalerei für alle Treppenhausfenster und für zwei Fenster in seinen beiden Wohnungen.
Meine bereits vorhandene Glasmalerei mit einem Nashornmotiv ist zum Einbau in der Einhausung eines außerhalb des Gebäudes befindlichen Kellerabgangs vorgesehen. Das Nashorn wird mit zwei neuen Glasmalereien ergänzt. Diese haben pflanzliche Motive.
Künstlerische Lösung
Grundlegend für meine Entwürfe ist die ästhetische Integration der Glasmalerei in die Architektur; das Ziel ist eine differenzierte Einheit der gesamten Glasmalerei. Das betrifft die Wahl der Motive und ihrer Details ebenso wie deren Umsetzung in eine dem Gebäude und dem Motiv angemessene Glasmalerei.
Mein Vorschlag, die Glasmalerei im Treppenhaus mit Bildmotiven aus der privaten Sammlung des Hausbesitzers und im Wohnbereich mit Motiven aus meiner freien Arbeit zu entwickeln, findet die Zustimmung der Auftraggeber. Für die vier Treppenhausfenster, davon drei mit gleichen bzw. ähnlichen Maßen, wähle ich vier Arbeiten auf Papier aus, zwei von Karl Agricola (1779–1852), eine von Johann Christian Klengel (1751–1824), das vierte anonyme Blatt ist wahrscheinlich eine Entwurfszeichnung aus der gleichen Zeit (zwischen 1800 und 1820). Die Glasmalerei der beiden Fenster im Wohnbereich bezieht sich auf Tierzeichnungen von mir. Alle Zeichnungen werden stark vergrößert und erscheinen als Ausschnitte auf dem Glas.
Die Wiedergabe der gewählten Fragmente aus dem 19. Jahrhundert sind möglichst nah am Original gehalten, ihre Vergrößerung, Fragmentierung und Wiedergabe auf modernem Floatglas in einem Thermopaneverbund sind der
Beitrag des 21. Jahrhunderts. Alle verwendeten keramischen Glasfarben und Sandstrahlungstöne sind differenziert aufeinander abgestimmt und komplett mit der Hand gemalt worden.
Technische Angaben
Die Glasmalerei wird auf der im Glasverbund zum Innenraum hin gelegenen Scheibe angebracht, und zwar so, dass die Farbseite in den Verbund hinein liegt.
Entwurfsdarstellungen, von links: Treppenhausfenster 1, zwischen dem EG und 1. Stock
Ausschnitt aus: Karl Agricola. Bei Gutenstein im Piestingtal. 1810
Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 165 x 87 cm
Treppenhausfenster 2, zwischen dem 2. und 3. Stock
Ausschnitt aus: Karl Agricola. Die Ehefrau des Künstlers in Betrachtung eines Goldfischglases. 1810
Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 167x 95 cm
Treppenhausfenster 3, zwischen dem 3. und 4. Stock
Ausschnitt aus: Johann Christian Klengel. Zeichenschule-mit-Eiche-und-Weide
Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 167x 95 cm
Treppenhausfenster 4, zwischen dem 4. Stock und Dachboden
Ausschnitt aus einer anonymen Zeichnung
Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 76 x 84 cm
Abb. von links: Einhausung des Kellerabgangs Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 135 x 318 cm
Kleines Zimmerfenster Zeichnung aus den Faust-Vogelhallen im Frankfurter Zoo
Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 50 x 33 cm
Badezimmerfenster Ausschnitte: aus zwei Zeichnungen von einem Zwergtaucher
Glas (Gesamtmaß ohne Rahmen): 145 x 72 cm
Auftraggeber
Glasmalerei Peters, Paderborn
Glasmalereientwurf: Bernd Fischer, Offenbach am Main
Ausführung: Klaus Happe, Glasmalerei Peters, Paderborn und Bernd Fischer
Fertigstellung der Glasmalerei: 2015


