Arbeiten auf Papier

2025-1991

„Mit freier Hand“

Wenn ich zeichne, aquarelliere, möchte ich keine fotografische, keine wissenschaftliche Abbildung, keine expressive Interpretation, keinen flüchtigen Eindruck wiedergeben.

Mein Wunsch ist es, mir durch das Anschauen ein Bild von dem zu machen, was ich sehe.
Befördert von der sich rapide verbreitenden Digitalisierung und Normierung aller Lebensbereiche, befragte ich in den 2010er-Jahren umfassend meine Arbeitsweise und Zielsetzung. Entgegen meinen Zielen in den wesentlich weniger normierten 1980er-Jahren, die mich zur Verwendung industrieller Verfahren, zur Astronauten-Ikone und zu radiologischen Bildverfahren geführt hatten, ist mir heute ein direktes Hantieren mit Stiften, Pinseln etc. wichtiger. Auch die Rolle der Ikonografie in der Kunst bewerte ich etwas anders.

» Siehe auch Katalog: „Bild Spuren“, 2023
» Werkverzeichnis, Band 2: 1976-2023 Arbeiten auf Papier

Im Bestand

Seit mehreren Jahren zeichne ich gerne im Wald. Das Licht, Wetter, die Atmosphäre und Stimmungen (meine und die im Wald) verändern sich immerzu. Das Zeichnen, die Beschränkung der Motive und verwendeten Mittel sind mir eine Hilfe, um meine Erfahrung dieser lebendigen Vielfalt zu vertiefen.

» Christoph Schütte, FAZ über Bernd Fischers Wald und Bäume, 14.08.2023
» Siehe auch Katalog: „Im Bestand, Wirklich – Realiter“, 2018
» Werkverzeichnis, Band 2: 2023-2001 Bäume, im Wald, an der Küste und auf dem Feld

Intermezzi & Bagatellen

Blumen auf dem Ateliertisch. Der Almhüttenzaun um die Moarkammer.
Im Atelier wechseln die Blumen entsprechend der Jahreszeit, das Licht ist immer gleich.
Derselbe Almhüttenzaun, dieselbe Tür, in unterschiedlichem Wetter und Licht.
Alles entstanden aus Freude am Zeichnen.

Die abgebildeten Aktdarstellungen habe ich ausnahmslos in den Kursen im » werkstatthaus offenbach (wh-o) gezeichnet. Schon während meines Studiums zeichnete ich gerne Akt (bei Karl Bohrmann und Willi Schmidt) und bei Michael Croissant, in der Bildhauerklasse der Städelschule, modellierte ich bis zu lebensgroße Akt-Plastiken.
Zur Übung oder Schulung, z.B. für das Verständnis komplexer organischer Formen und ihrer Tektonik, ist für mich die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper fraglos.

» Siehe auch Katalog: „Bild Spuren“, 2023
» Werkverzeichnis, Band 2: 2012-1975 Akt

Landschaften

Ende der 1990er-Jahre hatte ich bereits begonnen, regelmäßig in der Landschaft zu zeichnen und zu aquarellieren. Anfangs mit „leichtem Gepäck“, trat mir langsam und leise, bestimmt und zunehmend mein erworbenes Wissen und Denken immer mehr ins Bewusstsein und das anfänglich private Vergnügen entwickelte sich im Laufe mehrerer Jahre zu einem ernst genommenen Teil meiner Arbeit.

» Siehe auch Katalog: „Bild Spuren“, 2023
» Werkverzeichnis, Band 2: 2021-2002 In der Landschaft, gemalte oder gezeichnete Landschaften

Mit Tieren vis-à-vis

Zwischen 2008 und 2012 entstand im Zoo Frankfurt eine Reihe Leguan-, Vogel-, und Nashornzeichnungen. Die Wahl der Tiere, die ich gezeichnet oder gemalt habe, war ebenso intuitiv wie die Bestimmung meines jeweiligen Blickwinkels und meines konkreten Motivs am Anfang einer jeden Auseinandersetzung.

» Christoph Schütte, FAZ über Bernd Fischers Nashornzeichnungen, 12.05.2014
» Siehe auch Katalog: „Dann schwamm der Zwergtaucher ins Nashornhaus“, 2018
» Werkverzeichnis, Band 2: 2012-2007 Im Anblick und in Erinnerung an lebende Tiere

Gedruckt und gemalt

Von den frühen 1980er-Jahren bis zu den frühen 1990er-Jahren benutzte ich Papier vor allem zur Entwicklung und Erkundung möglicher Themen. Mit der Verwendung des Siebdrucks bekam das Zeichnen oder Malen auf Papier zwangsläufig eine andere Rolle. Jetzt war das Arbeiten auf und mit Papier ein sich wechselweise inspirierendes, paralleles Vorgehen zu dem auf Leinwand oder Holztafeln.

Mein Wunsch, industrielle Verfahren als Maltechnik zu gebrauchen und mit zeitgenössischen Bildmotiven existenzielle Gegebenheiten zu thematisieren, führte mich zu dem in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren noch weit verbreiteten Siebdruckverfahren und dem Röntgenbild, dem in dieser Zeit vorherrschenden diagnostischen Bildgebungsverfahren. Die radiologischen Bilder faszinierten mich durch ihre Räumlichkeit und ihren Tonwertreichtum und sie erschienen mir wie eine romantische Metapher zur Kunst. Denn das Verhältnis des auf den Röntgenbildern sichtbaren und dem faktischen Aussehen des von ihnen Abgebildeten ist bemerkenswert. Im Normalfall werden radiologische Aufnahmen für eine medizinische Diagnose betrachtet und analysiert, dabei entgehen ihre formalen Qualitäten meistens unserer Aufmerksamkeit. Hingegen berühren uns Kunstwerke in einer Weise, die sich selten durch ihre objektiven Faktoren begründen lässt. Die faktische Materialität einer Arbeit der klassischen bildenden Kunst ist in der Regel das nicht Wahrgenommene. Das, was anders ist als das bloße Material, mit dem ein Werk gebildet wurde, weckt unser Interesse und beansprucht unsere Aufmerksamkeit. Das Faktische eines Kunstwerks wird meist dann bemerkt, wenn die materielle Werthaltigkeit eine Rolle spielt (Carrara Marmor, Ölfarbe, Originalitätsbestimmung etc.), nicht wenn wir verstehen möchten, wovon wir angesprochen werden. (Das „Malen“ mit Siebdruck beendete ich 2019. Mitte der 2010er-Jahre und in den unmittelbar vorhergehenden und folgenden Jahren hat der Digitaldruck die industrielle Druckproduktion weitestgehend erobert. Entsprechend wurde die Auseinandersetzung mit den Bedingungen analoger Verfahren zu einer Art Spezialistenliebhaberei für Druckverfahren.)

» Radiologische Motive als Tafelbilder
» Siehe auch Katalog: „Wortlose Erzählungen – Stories without words“, 2000
» Siehe auch Katalog: „Bild Spuren“, 2023
» Werkverzeichnis, Band 2: 2001-1991 Gedruckt und gemalt: Strahlenaufnahmen, Choreografien 2003-2000 Gezeichnet und aquarelliert nach Strahlenaufnahmen

Geschöpft und gedruckt

Intime Stücke. Gedruckt, gezeichnet und montiert auf selbstgeschöpftem Papier. Bildmotive sind in Körpergröße gedruckte Augen, Ohren, Hände und Füße. Die rauen, stark pigmentierten Papierschöpfungen erschweren ihren Auftritt. Ihr Aufdruck wird wiederholt, sie verdichten sich, manchmal werden sie auch undeutlicher – am Ende haben sie sich prägnant behauptet.

» Siehe auch Katalog: „Bild Spuren“, 2023
» Siehe auch Katalog: „Wortlose Erzählungen – Stories without words“, 2000
» Werkverzeichnis, Band 2: 2000-1993 Siebdruck auf selbstgeschöpftem Papier: Intime Stücke (I. S.)

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