Kunsttip: Galerie ak
»Kleine Schritte« nennt der dreißigjährige Bernd Fischer seine erste große Bilderausstellung in der Frankfurter Galerie ak. Diese Bewegung führt den Offenbacher Künstler allerdings in jenes kompliziert-komplexe Gebiet der Malerei, wo um die Widersprüche zwischen zweidimensionaler Wiedergabe von Körpern und Gegenständen und ihrer Präsentation in dreidimensionalen Raumstationen gekämpft wird. Es ist eine der wichtigsten und produktivsten Fragestellungen der modernen Malerei, wie und ob die Grenzen des Tafelbildes überschritten werden können.
Bernd Fischer verarbeitet dieses Problem, indem er den realen Bildkörper der Leinwand und den gemalten Körper – also die Realität des Betrachters und die Imagination der Aussage bzw. des Künstlers – so organisiert, daß der Betrachter sich der unterschiedlichen Räumlichkeiten von Bildinhalten und Ihrer Existenz als nur Wandbilder bewußt wird. Zum. einen erreicht er das auf klassischem Wege durch das Zusammenspiel von Farben, die auf der Bildfläche eine eigene Bewegung produzieren, sodaß ein Zeitgefühl entsteht. Andererseits kombiniert er seine Arbeiten aus mehreren Bildsegmenten, die alle nicht nur keine rechteckigen Abmessungen mehr haben, sondern die auch zum Tell räumlich getrennt einander zugeordnet sind, oder bewußt verbogen sich von der Wand zu lösen scheinen, an der sie, hängen müssen. Neben der Zeit beansprucht das Material einen eigenen Raum. Und das ist das Spannend-Neue an dieser Ausstellung. daß ein relativ junger Maler – heute wo
der schöne Schein so beliebt ist – ein so· abstraktes Problem überhaupt zum Gegenstand seiner Arbeit macht. und es auf eine überzeugend sinnliche Weise darstellt.
PFLASTEilSTRAND Nr. 201 1 2. – 26. 1 1985 Frankfurt
